Forschung

Blutdrucksenker: abendliche Einnahme wirkungsvoller?

Viele Bluthochdruck-Patienten werden angehalten, alle ihre blutdrucksenkenden Medikamente morgens einzunehmen. Dabei zeigen Studien, dass die Einnahme vor dem Schlafengehen statt am Morgen verschiedene äußerst positive Effekte haben kann.

 

(dgk) Bluthochdruck ist ein bedeutsamer Risikofaktor für die Entstehung von Herz-Kreislauf Erkrankungen. Besonders bei Patienten, die bereits unter einer Herzerkrankung leiden, ergibt sich die Notwendigkeit einer guten Blutdruckeinstellung. Dies gelingt möglicherweise besser, wenn die Arzneien abends eingenommen werden. Bereits in einer Untersuchung aus dem Jahr 2010 an mehr als 2.000 Patienten zeigte sich: Die abendliche Einnahme mindestens eines der verschriebenen blutdrucksenkenden Medikamente verbesserte die Blutdruck-Kontrolle effektiver als die konventionelle morgendliche Gabe. Kein Wunder, dass in der Folge auch die Häufigkeit von Komplikationen, die durch den Bluthochdruck hervorgerufen werden können (z. B. Herzinfarkt oder Schlaganfall) sowie auch die Sterblichkeit sanken. Das wurde in einer Studie bestätigt. Auch hier fanden die Forscher die positiven Effekte der abendlichen Einnahme. Die Risikoreduktion für Herz-Kreislauf-Erkrankungen war da bei dann am stärksten, wenn die abendliche Tablettengabe einen Angiotensin-RezeptorBlocker (Sartan) enthielt. Diabetesrisiko durch abendliche Einnahme gesenkt Bluthochdruck und Diabetes gehen häufig Hand in Hand. Dahinter steckt vermutlich eine gemeinsame Ursache beider Erkrankungen – nämlich das metabolische Syndrom. In einer Studie untersuchten Wissenschaftler, welchen Einfluss der Zeitpunkt der Einnahme von Blutdrucksenkern auf das Diabetesrisiko hatte. Eine Gruppe von Bluthochdruckpatienten, die zu Beginn der Studie keinen Diabetes hatten, sollten ihre Blutdrucksenker morgens einnehmen, die andere Gruppe abends. Wie erwartet entwickelten einige Hypertoniker während des Studienzeitraums von sechs Jahren einen Diabetes. Doch dies betraf jene Patienten, die ihre Blutdrucksenker abends einnahmen seltener. Das Risiko, einen Diabetes zu entwickeln, reduzierte sich bei ihnen um 52 Prozent. Am meisten profitierten Patienten mit ACE-Hemmern: Ihr Diabetesrisiko lag um 69 Prozent niedriger als im Durchschnitt. Hintergrund: Darum schützt abendliche Einnahme vor Diabetes Das erscheint logisch, wenn man sich den Mechanismus einiger Blutdrucksenker vergegenwärtigt. Sie zielen auf das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, kurz RAAS, ab. Dabei handelt es sich um einen körpereigenen Mechanismus, der den Salz- und Wasserhaushalt im Körper steuert – und damit auch den Blutdruck reguliert. Gleichzeitig ist es aber auch eines der wichtigsten blutzuckerregulierenden Systeme des Körpers. Je stärker es aktiviert ist, desto mehr Glukose setzt die Leber ins Blut frei. Die Aktivierung des Renin-AngiotensinAldosteron-Systems spielt, wie Studien nahelegen, eine Schlüsselrolle für die Entstehung des Metabolischen Syndroms und damit von Bluthochdruck und Diabetes. Gängige blutdrucksenkende Medikamente wie die sogenannten ACE-Hemmer, AngiotensinRezeptor-Blocker und bestimmte Betablocker hemmen die Aktivität des RAA-Systems und halten so neben dem Blutdruck auch den Blutzuckerspiegel niedrig. Die spätabendliche Einnahme der Medikamente beeinflusst deshalb den Blutzuckerstoffwechsel besonders positiv, weil das RAAS vor allem nachts aktiv ist. Der Effekt ist dann am größten. Fazit Es ist also sinnvoll, Blutdruckmedikamente eher abends als morgens einzunehmen, wenn nur eine Blutdrucktablette erforderlich ist, bzw. zumindest ein Blutdruckmedikament am Abend zu schlucken, wenn die Blutdruckeinstellung die Einnahme von mehreren verschiedenen Medikamenten erforderlich macht. Vor allem profitieren dabei Patienten, die Angiotensin-Rezeptor-Blocker (Sartane) oder ACE-Hemmer einnehmen.

 Text online bearbeitet von Stefani Teumner.



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