Einhundert Jahre Trabrennbahn Mariendorf: Das Berliner Pferde-Paradies

Ein idyllischer Ort mitten im Herzen der Großstadt: So wird die Trabrennbahn Mariendorf als beliebtes Berliner Ausflugsziel oftmals beschrieben. Umsäumt von Kastanienbäumen rahmen 32 Stallungen – einige davon sind noch im historischen Fachwerkstil erbaut – das rund 20 Hektar große Sportgelände ein. Ein Ambiente mit einer völlig eigenen und unverwechselbaren Atmosphäre. Die Pferde sind hier König: Bis zu 150 Hengste, Stuten und Wallache drehen an den Renntagen ihre Runden in höllisch schnellem Tempo um die Bahn.

Die Wurzeln wurden genau vor einhundert Jahren gelegt: Am 9. April 1913 wurde die Trabrennbahn Mariendorf vom Kaiser-Sohn Prinz Oskar von Preußen feierlich eröffnet. Zu dieser Zeit war die Bahn die mit Abstand modernste Trabrennsportanlage Europas. Schon bald stürmten Zehntausende von Zuschauern zu den Rennveranstaltungen, um den Kampf um Sieg und Platz hautnah mitzuerleben. Selbst Weltkriege konnten das rege Geschehen auf der Mariendorfer Piste nicht entscheidend stoppen – obwohl die Bahn schwer von Bomben getroffen worden war, fanden schon kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder Rennen dort statt.  

Mariendorf besitzt ein besonderes Flair, dem sich natürlich auch zahlreiche Prominente nicht entziehen können – die Trabrennbahn steht schon über Jahrzehnte hinweg immer wieder im Blickpunkt der Berliner Öffentlichkeit. Die junge Romy Schneider gehörte mit ihrer Mutter Magda zu den Stammgästen, der „Fantomas“-Darsteller Jean Marais hängte den Pferden bei seinen Besuchen höchstpersönlich den Lorbeerkranz um den Hals. „Kojak“ Telly Savalas schlürfte am liebsten genüsslich Berliner Weiße, während er von der VIP-Terasse aus die Rennen beobachtete. Die Schauspielerin Christine Kaufmann nahm in Mariendorf sogar regelmäßig Unterricht, um die Fahrkunst im Sulky zu erlernen. Eine Fähigkeit, die Günter Rexrodt geradezu intuitiv besaß: Während seiner Amtszeit als Bundeswirtschaftsminister nahm der Politiker – genauso wie Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und sein Vorgänger Eberhard Diepgen – an richtigen Sulky-Rennen teil. Ähnlich wie Herthas Rekordschütze Michael Preetz und die Box-Weltmeister Arthur Abraham und Marco Huck wurden die Politiker vom Traber-Virus angesteckt.



Besonders der Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt brachte den Spaß, den man in Mariendorf erleben kann, mit seiner unverwechselbaren persönlichen „Schnauze“ auf den Punkt. Als er in den siebziger Jahren unter dem Blitzlichtgewitter der Fotografen die Ehrung des Derby-Siegers vornahm, sagte der Politiker trocken: „Es ist wunderschön hier in Mariendorf – und wenn es nach mir ginge, dann würde ich liebend gerne viel häufiger mal einen Pferdehintern tätscheln. Aber leider lässt mir mein Amt dafür kaum Zeit!“ Faszination Trabrennsport – ein Zuschauer-Vergnügen, dem man nicht nur im Sommer nachgehen kann. Denn auch den ganzen Winter hindurch wird in Mariendorf einmal wöchentlich getrabt – und das Publikum muss dabei nicht in Wind und Regen stehen, sondern kann das fesselnde Geschehen bei köstlichen Speisen und Getränken von den warm beheizten Tribünen aus verfolgen. 

Stichwort Derby-Sieger: Das Rennen der besten deutschen Traber bildet den absoluten Höhepunkt der gesamten Mariendorfer Saison. Bei der höchstdotierten Prüfung des Sulkysports geht es um eine Menge Geld: Über 400.000 Euro Preisgeld wurden im letzten Sommer an die Teilnehmer der Vorläufe und des Finales ausgeschüttet. Das Derby ist eingebettet in eine komplette Veranstaltungswoche, die in der Saison 2013 vom 27. Juli bis zum 4. August stattfindet. Mariendorf wird in diesen Tagen zum Gastgeber für die Topelite der Sulkyfahrer. Nicht nur beim Derby wird dann kräftig mitgefiebert – an den sechs Veranstaltungstagen wird insgesamt eine runde Million Euro Preisgeld an die Besitzer der schnellsten Rennpferde ausgeschüttet. Auch die Zuschauer können von soviel Trubel und dem richtigen Siegtipp profitieren, denn bei den zahlreichen Sonderverlosungen werden lukrative Prämien wie Autos und Urlaubsreisen an die glücklichen Gewinner im Publikum verteilt.



Mariendorf in Stichworten:

am 9. April 1913 feierlich eröffnet
ca. 50 Veranstaltungen jährlich, auch im Winter (beheizte Tribünen)
jeweils zehn bis zwölf Rennen pro Veranstaltung
insgesamt also weit über 500 Rennen in jeder Saison
über 8 Millionen Euro Wettumsatz jährlich
extra Gewinnspiele und Prämienverlosungen für die Zuschauer
Renntage einmal pro Woche (im Regelfall entweder sonntags ab 13.30 Uhr oder montags ab 18.30 Uhr)
Eintritt an den Wochentag-Renntagen generell frei, sonntags 3 Euro (nur für Erwachsene / Jugendliche bis 18 genießen grundsätzlich freien Eintritt)
spezielle Angebote zur Derby-Woche vom 27. Juli bis zum 4. August 2013  


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