Eine „Lebensmelodie“ verfilmt in Münster

Die 5. Ausstellung der Skulptur-Projekte (1977-2017) laufen in Münster seit dem 10. Juni auf vollen Touren. Bis Oktober werden bis zu 600.000 Kunstinteressierte in Münster aus aller Welt erwartet.

35 internationale Künstler, darunter Größen wie Pierre Huyghe ,Thomas Schütte, Nicole Eisenman, Barbara Wagner, Benjamin de Burca und Gregor Schneider, sind bei der großen Zehn-Jahres-Ausstellung in Münster vertreten. Unter der künstlerischen Leitung von Kasper König kuratieren die Ausstellung Britta Peters (Hamburg) und Dr. Marianne Wagner vom Landesmuseum Münster. Ihre Liste umfasst Künstler, die eine interessante Mischung sind und mit ihren Skulpturen Antworten auf aktuelle Fragen zu Kunst im öffentlichen Raum geben.  Nachdem die aktuellen Projekte nun für das heimische und internationale Publikum in den zweiten Monat gehen, findet die Installation der Künstler Barbara Wagner (Brasilien) und Benjamin de Burca (Irland) immer mehr Anklang von der nationalen und internationalen Presse. „ Bye Bye Deutschland – Eine Lebensmelodie“ heißt das 20-minütige Kunstfilm-Musical in 2K, welches bis Oktober täglich in der Zeit von 10.00 bis 20.00 Uhr in Münsters bekannten Szene-Disco „Elephant-Lounge“ am Roggenmarkt 15 in Endlosschleife und einer faszinierenden Umgebung dargeboten wird. Die Hauptdarsteller sind zwei Münsteraner, die von de Burca und Wagner in ihren Recherchen für die über acht wöchigen Arbeiten an dem Film ausgesucht wurden. Es handelt sich dabei um die Hobbysänger Markus Sparfeldt und Stefani Teumner, die neben ihren Berufen seit ca. zwei Jahren ihrer gemeinsamen Leidenschaft als „singendes Duett“ bei diversen Events und Festen mit deutschsprachiger und englischer Musik live aufzutreten – nachgehen.  

 



Ausgehend von bestimmten popkulturellen Phänomenen oder Stadtentwicklungsprojekten untersuchen Bárbara Wagner und Benjamin de Burca gesellschaftlich-ökonomische Zusammenhänge. Nach investigativen Recherchen am jeweiligen Ort produzieren sie – häufig gemeinsam mit den Protagonisten des porträtierten Mikrokosmos – fotografische und filmische Formate, die dokumentarische wie fiktionale Züge aufweisen. Für ihr Projekt in Münster nahmen Wagner und de Burca die deutschsprachige Musik, insebesondere den „Schlager“ in den Fokus und hinterfragten historische und strukturelle Prinzipien dieses Genres. Dass die ausgewählten Hauptdarsteller Stefani Teumner und Markus Sparfeldt in der Vergangenheit viel Anerkennung für das Interpretieren der Lieder von Helene Fischer und Udo Jürgens in den sozialen Medien und bei Liveauftritten bekamen und zudem auch im wahren Leben in Münster ein Paar und stolze Eltern eines sechs Monate alten Jungen sind, war für die Künstler Barbara Wagner und Benjamin de Burca sehr interessant. Während Markus Sparfeldt, Leiter einer in Münster ansässigen Werbeagentur, der erst vor vier Jahren mit dem Singen begann, u.a.viel Beachtung auf Youtube und bei Liveauftritten durch das Interpretieren der Lieder des weltbekannten 2014 verstorbenen Komponisten, Pianisten, Sänger und Entertainer Udo Jürgens bekam, interpretierte Stefani Teumner, eine klassisch ausgebildete Sängerin, die bereits in ihrer Jugend zum Rundfunkjugendchor Wernigerode gehörte,  u.a. auch das Repertoire von der bekannten Deutschen Pop-Sängerin Helene Fischer. Diese beiden zwar deutschsprachigen aber völlig verschiedenen Genres und die Entwicklung der deutschen Musik, insbesondere unter dem Begriff „ Schlager“ gegenüber zu stellen, dies war den Filmemachern ein besonderes Bedürfnis bei ihrer Arbeit unter den Kulissen der Stadt Münster. In einem WDR Fernsehinterview äusserten sich die beiden Künstler wie folgt. Benjamin de Burca: „ Markus ist ein großer Udo Jürgens -Verehrer und Stefani ist eine große Anhängerin von Helene Fischer. Das fanden wir sehr interessant. Denn durch diese Vermischung ihrer jeweiligen Leben , ihrer Persönlichkeit, ihrer Wünsche und ihrer ausserordenlichen gesanglichen Fähigkeiten, können wir über deutsche Musik der Vergangenheit und Schlagermusik der Gegenwart in unserem Film sprechen. Unter einer Skulptur verstehen die meisten Menschen ja wirklich eine Skulptur, die im öffentlichen Raum steht. Etwas zum Anfassen. Aber unsere Ausstellung zeigt die ganze Interaktion und die Arbeitssituation mit allen Menschen, mit denen wir an diesem Film ganze zwei Monate gearbeitet haben. Und das abzubilden, dies ist für uns auch eine Interpretation von Skulptur“

 



Barabara Wagner: „ Für mich ist der Begriff „Schlager“ nicht nur eine Musikrichtung, sondern eine große Herausforderung. Für mich als Fremde, ich komme ja aus Brasilien – werde ich nie so richtig verstehen, was deutscher wirklich Schlager ist. Ich habe durch Gespräche mit Markus begriffen, dass Udo Jürgens sich selbst niemals als Schlagersänger oder Schlagerkönig gesehen hat, sondern seine besondere, klassische Musik selbst als „ästhetische Musik“ bezeichnet hat. Deshalb ist unsere Arbeit auch einmal ein ganz anderer Blick auf ein Phänomen, was den meisten Deutschen selbstverständlich bekannt ist. Und ich möchte verstehen, wie Schlagermusik die Herzen der Menschen erreicht.“  

Die „taz“ schrieb zu dem Film der beiden Künstler: „ Denn anders als bei der „documenta“ in Kassel werden in Münster nicht Werke in Auftrag gegeben, sondern Künstler eingeladen. Sie entwickeln ihre Arbeiten mit Blick auf das örtliche Publikum in einem Netzwerk aus Museum, Kunstverein und Theater, städtischen Ämtern, katholischer Kirche und Universität.

Am dichtesten verwirklicht ist dieses Konzept wohl in der Elephant Lounge, dem Juwel einer 70er-Jahre-Disco in der Altstadt, die in Münster Kultstatus erreicht hat , in der Benjamin de Burca und Bárbara Wagner das Münsteraner Paar Stefani Teumner und Markus Sparfeldt entdeckt. Beide interpretieren dort Lieder von Helene Fischer und Udo Jürgens, ohne diese „doublen“ oder nachahmen zu wollen.  Geschickt werden in dem Kunstfilm-Musikal von den beiden Künstlern der Alltag der Stadt und ihrer Bewohner wie die Kunsthinterlassenschaften der letzten Skulptur Projekte mit der Welt der deutschsprachigen Musik und des Schlagers verwoben, der so, wie er sich seinen Reim auf die Liebe und Paarbeziehung macht, als soziale Plastik kenntlich wird.“.  Das weltbekannte Art-Magazin „ Frieze“ katapultierte die Arbeit von Barbara Wagner und Benjamin de Burca in ihrem „Critics -Guide“ unter eine der Besten Ausstellungen der Skulptur-Projekte.  „Art- Das Kunstmagazin „ schrieb: Bárbara Wagner und Benjamin de Burca haben den Kitsch im Fokus und die Codes, die soziale Gruppen einen. In der Münsteraner Elephant Lounge – einer Disko, die älter ist als die Skulptur-Projekte – zeigen sie Musikvideos zu eigens komponierten Schlagern, deren Texte sich aber nicht um Genretypisches wie Liebe oder Sehnsucht drehen, sondern um politisch hochbrisante Themen.

 



Markus Sparfeldt produziert im übrigen auch eigene Lieder für sich und seine Verlobte Stefani Teumner in deutscher und englischer Sprache. Als die Film-Künstler sein neuestes Lied „ Eine Lebensmelodie“ zum ersten Mal hörten, wurde dieser Songtitel gleich mit in den Filmtitel aufgenommen. Nachdem die Filmemacher und der bekannte Kamera- Künstler Pedro Sotero ( Brasilien), der bereits auf Filmfestivals wie z.B. der „Berlinale“ Preise für seine Kameraführung erhielt, mehrere Musiker in Münster interviewt und sich ein Bild gemacht hatten, haben diese Stefani Teumner und Markus Sparfeldt für die Hauptrollen ausgewählt. Zu den Drehorten gehörten u.a. das Stadion des SC Preußen Münster, das Stadttheater Münster, das Tropenhaus im botanischen Garten, die Clemenskirche, der Prinzipalmarkt, der Domplatz, der Aasee, sowie das Studio des WDR in Münster. Die Sänger Stefani Teumner und Markus Sparfeldt durften jeweils zwei Lieder und ein Duett vor diesen schönen Kulissen singen. „ Es war wie in einem Traum“, so Hauptdarstellerin Steffi Teumner. „ Ich hatte trotz des grossen Zuspruchs in den sozialen Medien bezüglich Steffis und meiner Interpretationen nicht damit gerechnet, dass man ausgerechnet uns für so ein Filmprojekt auswählt. Wir sind sehr stolz, dass wir so etwas erleben durften. Es waren täglich 14 Leute am Set und es wurde eine sehr proffesionelle Arbeit von allen Beteiligten abgeliefert. Auch das Equipment und die  intensive Arbeitsweise aller Beteiligten waren sehr beeindruckend  für uns und es sind tiefe Freundschaften zu Barbara und Benjamin entstanden. Besonders freut mich, dass der Film auch mit drei Werken ( „Was ich Dir sagen will“, „Ich weiss, was ich will „ und „Ich will ich kann- Ican I will“) von dem großen Komponisten, Pianisten und Sänger Udo Jürgens (1934-2014) an diesen Jahrtausendmusiker erinnert, der eine ganz besonders ästhetische Musik der Nachwelt hinterließ, welche noch in einigen hundert Jahren den Menschen Freude bereiten wird“, so Markus Sparfeldt.
Der bekannte Musikproduzent Jochen Hohmann und der begnadete Jazz-Pianist Jürgen Bleibel produzierten gemeinsam mit De Burca, Wagner, Teumner und Sparfeldt den Soundtrack des Filmes völlig neu.
Die Darsteller: Stefani Teumner, Markus Sparfeldt, Leonardo Teumner, Petra Schwar, Mike Förster, Makiko Tanaka, Sebastiano Lo Medico, Ulla Bockhorn, Jochen Hohmann, Stephanie Heinrich, Dorothée Degenhardt, Hannelore Quick.

Den bereits im WDR und der ARD ausgestrahlten TV-Bericht finden Interesssierte in der ARD -Mediathek unter dem Suchbegriff: „Skulptur-Projekte.“



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