Dampf oder Rauch – was ist besser?

E-Zigaretten oder auch „Dampf-Zigaretten“ erfreuen sich hierzulande immer höherer Beliebtheit. Sie können zwar auch Nikotin enthalten aber dafür auch wesentlich weniger Schadstoffe, die nur beim Zigarettenrauchen durch die Verbrennung (chemischer Prozess) auftreten, welche bei einer Verdampfung (biologischer Prozess) nicht auftreten können.

Dass Raucher gefährlich leben, dies weiss heutzutage jedes Kind – aber wer schneidet nun wirklich im Vergleich besser ab? Dampf oder Rauch?
Patentiert wurde die erste E-Zigarette bereits im Jahr 1963 von Herbert A. Gilbert. Seitdem sich im Jahre 2003 die erste E-Zigarette aus China erfunden von Hon Lik auf dem kommerziellen Markt etablierte, ist zwischen Gegnern und Befürwortern eine kontroverse Debatte im Gange.
Elektrisch zum dampfen gebrachte Zigaretten haben in den letzten Jahren deutlich an Beliebtheit zugenommen. Der Absatz steigt zunehmend an. Der Umsatz dieser Branche ist in Deutschland im vergangenen Jahr auf  etwa 400 Millionen Euro gestiegen. Im Jahre 2010 waren es hierzulande nur 5 Millionen Euro Umsatz. Zum Vergleich: Der Umsatz mit der herkömmlichen Zigarette, welche die Deutschen rauchen erreichte im Jahr 2016 rund 20,5 Milliarden Euro. Etwa zehn Prozent der Bundesbürger haben bereits an einer E-Zigarette gezogen. Das in Köln ansässige Science Media Center Germany hat sich die Mühe gemacht, ein Faktenblatt zum Thema zusammenzutragen. Darin steht u.a. wie folgt:  „Die Diskussion um die Elektronische Zigarette steht im Spannungsfeld vieler ideologischer und politischer Positionen – in Deutschland, in der Europäischen Union, weltweit. Manche Länder, wie zum Beispiel Australien, sehen in E-Zigaretten eine Gefahr für die erzielten Fortschritte bei der Tabakkontrolle der vergangenen Jahrzehnte und regulieren E-Zigaretten daher restriktiver als Tabakprodukte. Andere Länder, wie zum Beispiel Deutschland, betrachten Zigaretten und E-Zigaretten als nicht harmlos und wollen verhindern, dass sie den Tabak- und Nikotinkonsum fördern und regulieren die E-Zigaretten mit entsprechend ähnlichen Gesetzeslagen. Wieder andere Länder, etwa Großbritannien, schätzen E-Zigaretten trotz aller Unwägbarkeiten als vor allem in Bezug auf Krebsrisiken deutlich ungefährlicher ein und sehen in diesen ein effektives Entwöhnungsmittel für Zigaretten-Raucher; deswegen plädieren diese Länder für eine „weiche“ Regulierung, der entsprechend E-Zigaretten für Erwachsene zugänglich sein sollten und aktiv als Entwöhnungsmittel empfohlen werden.  Die wissenschaftliche Diskussion über die Auswirkungen von E-Zigaretten auf die Gesundheit und über ihren künftigen Stellenwert als Suchtmittel ist geprägt vom wirtschaftlichen Interesse der Tabakindustrie, die vermehrt E-Zigaretten auf den Markt bringt und wie derzeit in Deutschland flächendeckend als Alternative zur Zigarette bewirbt. In der Wissenschaft besteht Konsens, dass E-Zigaretten weniger schädlich sind als Tabak-Zigaretten. Es mangelt jedoch an langfristigen Studien zu einer möglichen Gesundheitsgefährdung durch die Produkte. Und die vorliegenden Studien zur Wirksamkeit von E-Zigaretten als Hilfsmittel bei der Tabakentwöhnung haben nur eine geringe wissenschaftliche Aussagekraft. Hinzu kommt: Bei einem Drittel aller vorhandenen Studien weisen die wissenschaftlichen Autoren Interessenkonflikte auf.

 



Das „Fact Sheet“ von Science Media Center Germany liefert Informationen, welche Erkenntnisse wissenschaftlich gesichert sind und welche nicht; zugleich erläutert es offene Forschungsfragen und stellt unterschiedliche Positionen zusammen. Zum einen ist es hilfreich, zwischen Unsicherheiten in Bezug auf die krebserzeugenden Wirkungen der E-Zigarette im Vergleich zur Zigarette und dem Nutzerverhalten vor allem von Jugendlichen zu unterscheiden. Zum anderen ist bisher nicht ausreichend geklärt, ob bei steigendem E-Zigaretten-Gebrauch eine neue Generation von Nikotinabhängigen heranwächst. E-Zigaretten bestehen aus einem Heizelement, das mit Akkus betrieben wird, und einem Verdampfer, in dem eine Flüssigkeit, das sogenannte Liquid, erhitzt und vernebelt wird. Das Liquid enthält eine Trägersubstanz, Nikotin und Aromastoffe – aber keinen Tabak. Beim Verdampfen entsteht ein Aerosol, das heißt eine Mischung von winzigen flüssigen oder festen Schwebeteilchen in einem Gas, zumeist Luft. Im Gegensatz zur klassischen Zigarette erfolgt keine Tabakverbrennung.Die erste Generation von E-Zigaretten ähnelt Zigaretten und ist für den einmaligen Gebrauch bestimmt.Die zweite Generation von E-Zigaretten lässt sich nachfüllen und wieder aufladen. Bei der dritten Generation von E-Zigaretten handelt es sich um Geräte, bei denen sich der Tank nachfüllen lässt und der Nutzer die Spannung der Geräte persönlich regulieren und unterschiedliche Bauteile anpassen kann, sodass diese höhere Temperaturen erreichen als ältere Generationen.

In Deutschland stellen derzeit etwa 200 kleinere und mittlere Unternehmen E-Zigaretten her. Unter den größten E-Zigaretten-Herstellern finden sich große Tabakkonzerne wie die British American Tobacco GmbH (Produktname „Vype“). Dieses Unternehmen war erst 2015 in den deutschen Markt eingestiegen und wurde innerhalb weniger Monate zu einem Big Player des Marktes. Ein anderes großes Unternehmen in dem Markt ist Japan Tobacco International („Logic“). Die Bank Wells Fargo rechnete in einer Prognose aus dem Jahr 2013 damit, dass die Verwendung von E-Zigaretten den weltweiten Konsum von Zigaretten im Jahr 2023 überschreiten könnte.

 


Bedeuten mehr E-Zigaretten-Nutzer gleich „weniger Raucher“?

Pro E-Zigarette: In vielen Ländern sinkt die Anzahl an Rauchern von Zigaretten, die Anzahl der E-Zigaretten-Nutzer steigt dagegen. Dies kann dahingehend interpretiert werden, dass E-Zigaretten beim Rauchstopp helfen. Der ASH-Report der britischen gemeinnützigen Organisation Action on Smoking and Health (ASH) besagt, dass der Anteil der Ex-Raucher unter den E-Zigaretten-Nutzern steigt, während der Anteil der Zigarettenraucher weiter sinkt. Contra E-Zigarette: Effizienz unklar: Der kausale Zusammenhang zwischen sinkenden Raucherzahlen und der Verbreitung der E-Zigarettennutzung ist bisher nicht schlüssig bewiesen. Unklar ist, ob E-Zigaretten zu einem Rauchstopp von Zigaretten beitragen. Während einige Studien zum Schluss kommen, dass E-Zigaretten zu einem Rauchstopp beitragen, sprechen andere Ergebnisse dafür, dass das Gegenteil der Fall ist. Eine dritte Gruppe von Studien sieht keinen Zusammenhang. In vielen Ländern hat sich die Anzahl an Rauchern bereits seit Jahren stark reduziert und reduziert sich weiter. Die weitere Verbreitung der E-Zigarette könnte diesen Trend gefährden. Von den Menschen in Europa, die jemals E-Zigaretten benutzt haben, haben 67 Prozent dies getan, um das Rauchen von Tabak-Zigaretten einzuschränken oder aufzugeben. Dennoch geben laut Eurobarometer nur 14 von 100 Rauchern und Ex-Rauchern, die jemals E-Zigaretten ausprobiert haben, an, dass ihnen die E-Zigarette beim Aufhören geholfen habe. Ob es E-Zigaretten-Nutzern gelingt, mit dem Rauchen von Tabakprodukten aufzuhören, ist vor allem davon abhängig, wie motiviert diese per se sind, mit dem Tabakrauchen aufzuhören.

 


Sind E-Zigaretten die bessere

Nikotinquelle als Zigaretten für Nikotin-Süchtige, weil sie weniger Schadstoffe enthalten können?  Contra E-Zigarette: Nein, zwar besteht inzwischen ein wissenschaftlicher Konsens darüber, dass E-Zigaretten weniger schädlich sind als Tabak-Zigaretten. Allerdings sind sie keinesfalls harmlos; zudem ist ihre Schädlichkeit stark abhängig von vielen Faktoren. Bisher mangelt es an Langzeitstudien zur Schädlichkeit aller Inhaltsstoffe von E-Zigaretten. Langfristige Gesundheitsschäden sind daher bislang nicht abschätzbar. Auch ohne weitere gesundheitsschädigende Stoffe ist das in den Liquids enthaltene Nikotin schädlich. Die gesundheitsschädigende Wirkung von Nikotin ist unumstritten; über einen Zusammenhang zur Entstehung von Krebs wird diskutiert. Nutzerdaten zeigen, dass am häufigsten eine duale Nutzung entsteht, bei der sowohl Zigaretten als auch E-Zigaretten genutzt werden. Seltener ist es, komplett auf E-Zigaretten umzusteigen oder den Konsum jeglicher Tabak-Zigaretten und E-Zigaretten aufzugeben. Ein „Cocktail“-Effekt zwischen Zigarettenkonsum und zusätzlicher E-Zigaretten-Nutzung würde die gesundheitlichen Auswirkungen für die Gesamtbevölkerung sogar verschlechtern. Jugendliche E-Zigaretten-Nutzer weisen häufiger Symptome einer chronischenn Bronchitis auf als Nichtnutzer. Die bekannten Aromen in den Liquids sind für Nahrungsmittel zugelassen, also um gegessen oder getrunken zu werden und somit in den Magen-Darm-Trakt aufgenommen zu werden – sie sind allerdings nicht für die Inhalation bestimmt, also eingeatmet zu werden und somit in den Atemtrakt zu gelangen. Zu einer Wirkung bei Inhalation fehlen für die meisten Aromen toxikologische Daten. Manche Aromen sind atemwegsreizend oder wirken sensibilisierend.  Die Hauptträgersubstanz Propylenglykol ist für die orale Aufnahme unbedenklich, inhaliert wirkt sie atemwegsreizend. Zudem enthält das Aerosol in Abhängigkeit von der Batteriestärke, dem Nutzungsverhalten und dem Gerätetyp unterschiedliche Konzentrationen krebserzeugender und potenziell krebserzeugender Substanzen wie Formaldehyd und Acetaldehyd. Das zumeist enthaltene Nikotin macht abhängig und steht zunehmend im Verdacht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Krebs zu fördern.

Pro E-Zigarette: Ja, dadurch, dass kein Tabak verbrannt wird, entstehen nicht die gleichen Schadstoffe wie bei Zigaretten, welche bewiesenermaßen und vor allem das Risiko für Krebs, Lungenerkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Insgesamt gelten E-Zigaretten als weniger giftige Nikotinquelle, sowohl bezüglich der krebserregenden Stoffe als auch anderer Schadstoffe. Zumindest sind E-Zigaretten nicht schädlicher als Zigaretten in Bezug auf die bei Tabakverbrennungen entstehenden Substanzen. Das britische Gesundheitsministerium schätzt, dass E-Zigaretten 95 Prozent weniger schädlich als Zigaretten sind. Diese Aussage basiert auf der Einschätzung einer britischen Expertengruppe. In einer aktuellen Studie von 2017 wurden bei Ex-Rauchern und E-Zigaretten-Nutzern im Urin und Speichel nach sechs Monaten weniger karzinogene Substanzen und Schadstoffe nachgewiesen als bei Zigaretten-Rauchern. Gesundheitspolitisch könnte also der Umstieg von Zigaretten auf E-Zigaretten ein Ziel sein, um zum Beispiel die Anzahl der Krebstoten infolge des Rauchens zu senken“.



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