Nomophobia! ...wenn die virtuelle Welt zur Sucht wird

Mehr als die Hälfte des Tages ist Deutschland im Netz

Dass das Internet in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten drastisch unsere globalisierte Welt verändert hat, dies ist sicherlich für niemanden ein Geheimnis mehr.

 Wie aber vor allem das Smartphone in den letzten Jahren zum meistgenutzten internetfähigen Gerät avancierte und wie viel die Deutschen tatsächlich Zeit damit online verbringen, dies nimmt zumindest teilweise erschreckende Formen an. Diese extrem lange Zeiten, die wir Deutsche täglich im Internet verbringen, sind nun einmal die aktuelle Realität in der nicht virtuellen Welt. Eine Schraube ohne Ende?
Eigentlich sind wir nie allein. Das große Tor zur Welt in Gestalt eines Smartphone ist immer griffbereit, online und einsatzfähig. Ist unser Verlangen nach der digitalen Scheinwelt im Grunde doch schon eine Sucht? Das Smartphone macht garantiert süchtig, ein digitaler Begleiter, der wie eine Droge auf uns wirken kann. Bei den meisten Handynutzern zwischen dem 18. und 23. Lebensjahr erzeugt schon eine kurze Trennung extremen Stress und körperliche Warnsignale. Um solche Symtome zu vermeiden, empfehlen Wissenschaftler nach ihren neuesten Studien, das Smartphone höchstens ein paar Minuten täglich zu nutzen! Die tatsächlichen Zeiten bezüglich der Nutzung gehen jodoch in eine völlig andere und mitunter besorgniserregende Richtung. Hier ein paar anhand von Studien ermittelte Zahlen und Fakten:

Junge Erwachsene verbringen z.B. derzeit fast die Hälfte des Tages schon online!  Während die 21- bis Dreißigjährigen durchschnittlich knapp sieben Stunden pro Tag im Netz surfen, sind es bei den bis Zwanzigjährigen immerhin „nur“ noch 5,1 Stunden täglicher Aufenthalt in der virtuellen Welt. Menschen, die Sechzig Jahre oder älter sind, verbringen im Netz dagegen mit 2,3 Stunden „nur“ noch zehn Prozent ihrer täglichen Lebenszeit, die Schlafphase inbegriffen.
Das Smartphone ist dabei das am weitesten verbreitete onlinefähige Gerät: Zweidrittel der Deutschen nutzen so ein portables, internetfähiges Mobiltelefon und sind damit allein durchschnittlich in etwa 1,6 Stunden pro Tag beschäftigt. Lieblingsbeschäftigung dabei ist das Chatten. 84 Prozent nutzen ihr Smartphone für Onlinekommunikationsdienste, wie WhatsApp, Facebook, Youtube, Instagram, Twitter oder andere beliebte Plattformen. 63 Prozent hören über ihr Smartphone online Musik und 61 Prozent organisieren ihre Mobilität über Carsharing-Dienste, Reisebuchungsportale oder die Bahn via iPhone & Co. Soweit so gut.
Allerdings zeigt sich Deutschland auch in puncto Smartphone-Nutzung gespalten: Während von den unter Vierzigjährigen etwa neunzig Prozent über ein Smartphone verfügen, liegt der Anteil bei den über Sechzigjährigen nur bei gut fünfzig Prozent. Die unter Dreißigjährigen Smartphone-Nutzer surfen täglich drei Stunden im Netz – die über Sechzigjährigen hingegen nur 40 Minuten mit ihrem Smartphone.
Im Durchschnitt sind alle Deutschen 1,6 Stunden am Tag mit dem Smartphone online, auf den Laptop entfallen 1,1 Stunden sowie auf den klassischen Desktop-Computer nur eine Stunde Surfzeit täglich. Insgesamt verbringen die Deutschen durchschnittlich rund 4,4 Stunden pro Tag online. In den deutschen Haushalten befinden sich im Schnitt immerhin 4,3 internetfähige Endgeräte. Jeder dritte Deutsche besitzt sogar mehr – zwischen fünf und zehn internetfähige Geräte sind keine Seltenheit.
Die virtuelle Welt hat die Deutschen durch fast alle Altersklassen voll erfasst. Bei Allen ist das „online-Sein“ bereits zu einem festen Bestandteil des Lebens, bei den sehr vielen jedoch zu einer gefährlichen Sucht geworden.

 


Auch bei Verkehrsunfällen sprechen die Zahlen für sich! Es ist verboten, es ist lebensgefährlich – und es ist dennoch alltäglich: Surfen am Steuer. Jeder vierzehnte. Autofahrer in Deutschland macht das trotz Verbot. Bundesweit mehr als 36.000 Fahrzeuge sind im Rahmen einer Studie beobachtet worden. In 2.124 Fällen, also bei knapp sieben Prozent, war der Fahrer mit dem Handy beschäftigt.
Im rollenden Straßenverkehr war es jeder fünfzehnte Autofahrer, der surfte oder mit Handy in der Hand telefonierte. An roten Ampeln verdoppelte sich der Anteil von 6,5 auf satte dreizehn Prozent. Auf Land- und Bundesstraßen griff jeder 23. zum Handy und auf der im Grunde vom Tempo gefährlichen Autobahn jeder siebenundzwanzigste! Unfassbar aber wahr. Und jeder, der dies weiter tut, gefährdet sein und das Leben anderer! Selbst wenn der Blick aufs Handy nur zwei Sekunden dauert, bedeutet das bei Tempo 130 auf der Autobahn mehr als siebzig Meter Blindflug. Die Ablenkung durch ein Handy-Telefonat am Steuer entspricht im etwa der Wirkung von 0,8 Promille Alkohol. Das Smartphone am Steuer ist im vergangenen Jahr für etwa 500 Verkehrstote zusätzlich in Deutschland verantwortlich. Keine Besserung in Sicht, obwohl sich jeder im Grunde des tödlichen Risikos bewusst ist. Der Tod fährt also immer mit, selbst wer es nicht tut, wird durch andere Autofahrer mit in diese große Gefahr hineingezogen!

Das Smartphone ist eindeutig das „Tor Nummer Eins“ der Deutschen ins Internet. Überall! Es wird mit Abstand am häufigsten genutzt und gehört heute zum Alltagsbegleiter fast aller Internetnutzer in nahezu allen Altersklassen. Da es immer und überall griffbereit ist, dürfte seine Bedeutung eher noch in Zukunft zunehmen.  Bankgeschäfte, Smart-Home-Steuerung oder auch das Einkaufen von Lebensmitteln – für viele Bedürfnisse werden täglich neue „Angebote“ geschaffen und dann auch langsam von den Nutzern als unabkömmlich akzeptiert. Warum eigentlich? Wer entscheidet darüber unabkömmlich oder nicht ? Hier werden sich noch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weitere Apps (Applikationen) durchsetzen, welche das Smartphone noch mehr zum „Schweizer Taschenmesser “ unter den Internetgeräten aber auch zu einem gefährlichen Suchtinstrument machen werden!  

Besonders bei jungen Menschen, die praktisch schon seit ihrem Kindesalter mit dem Smartphone hantieren, wofür ja im Grunde die Eltern verantwortlich sind, bekommen eine extreme und viel zu hohe Bindung zu ihrem technischen Gerät. Diese Bindung schaltet konsequent andere Bindungen aus! Sie glauben dann wirklich, dass ihr Zugang zu sozialen Kontakten und ihre soziale Interaktion von diesem Gerät abhängig ist. Darunter leiden natürlich im Umkehrschluss die realen Freundschaften, Beziehungen und vor allem Aktivitäten in der wirklichen Welt. Die am meisten gefährdete Gruppe für die totale Smartphone – Sucht sind Kinder, Jugendliche und Heranwachsende! Wer nicht online ist, der ist out und verpasst etwas. So zumindest der Glaube bei den jungen Smartphone-Süchtigen! Dies wird den jungen Menschen suggeriert und viele Eltern helfen Ihnen unbewusst dabei! Man sollte demnach schon früh damit beginnen, seinen Kindern bzw. Heranwachsenden zu erklären, was die Vorteile beim Smartphone sind und welche vielen Gefahren es gibt und vor allem, wie man die online Zeiten richtig dosiert und wie genau Kinder mit dem Smartphone umgehen sollten. Die „Internet – Industrie“ wird eher das Gegenteil versuchen, und weiter hart daran arbeiten, immer mehr virtuelle Welten zu schaffen, die unsere Jugend von der wirklichen Welt und deren Vorzüge abzulenken versucht. Aber auch uns Erwachsene hat die Sucht mitlerweile voll erfasst, gerade diejenigen, die auch nicht allzu viele soziale Kontakte im wahren Leben haben, stürzen sich immer mehr auf virtuelle Welten und Kontakte.  

Erwachsene Gutverdiener verbringen tatsächlich die meiste Zeit online! Unglaubich aber wahr! Wer über ein Einkommen von über 5.000 bis 7.000 Euro brutto monatlich verfügt, surft im Durchschnitt 6,5 Stunden im Netz. Zu viel Geld und zu viel Zeit? Mit einem Einkommen von mehr als 7.000 Euro sind es noch 6,3 Stunden. In den untersten Einkommensklassen fällt die Onlinezeit deutlich geringer aus. Wer 2.000 Euro monatlich verdient, verbringt „nur“ vier  Stunden täglich online. Sobald Nutzer über ein gutes Einkommen verfügen, können sie sich mehr von ihren „Wunschgeräten“ leisten und verbringen damit auch mehr Zeit im Internet. Sie sind in der Regel dann auch die Ersten, die neue Produkte ausprobieren und auch nutzen.

Das gesellschaftliche, wirtschaftliche und auch politische Leben findet leider immer stärker auf digitalem Weg statt. Für jüngere Menschen ist das Smartphone ein ständiger Begleiter, und sie nutzen dieses ganz selbstverständlich immer und überall und besonders deshalb, um nicht „out „ zu sein und bloß nichts in der virtuellen Welt zu verpassen, dabei verschwindet die wirkliche Welt immer mehr aus dem Sichtfeld. Bei vielen älteren Bürgern hingegen ist die Hemmschwelle zum Glück noch sehr hoch: Sie kennen noch die echte Welt, als es noch keine virtuelle Scheinwelt gab. Ihre Sicherheitsbedenken sind noch gesund und daher groß, deshalb werden sensible Daten berechtigter Weise auch nur ungern weitergegeben, vielfach sind Anwendungen auch zu kompliziert programmiert und ältere Menschen fragen sich auch öfter nach dem eigentlichen Sinn und ob man nun wirklich „all das „tatsächlich braucht. Sie setzen nicht auf jeden Trend, im Gegensatz zu jungen Menschen, die in das Kommunikationszeitalter hinein geboren und schon seit frühester Kindheit damit meist auch von ihren eigenen Eltern konfrontiert wurden.

Männer sind im übrigen statistisch länger online als Frauen. Männer zeigen sich gern technikaffiner als Frauen und nutzen insgesamt öfter internetfähige Geräte. So nutzen 79 Prozent der Männer und 77 Prozent der Frauen bereits Smartphones. Deutlicher ist der Unterschied bei anderen Geräten, beispielsweise bei Desktopcomputern, die von 55 Prozent der befragten Männer, aber nur 47 Prozent der Frauen genutzt werden. Smart-TVs z.B. nutzen vierzehn Prozent der Männer und nur acht Prozent der Frauen. Männer sind auch länger online: 1,9 Stunden surfen sie durchschnittlich pro Tag mit dem Smartphone durch das Netz, Frauen nur 1,3 Stunden. Am Laptop verbringen Männer 1,2 Stunden online, Frauen eine Stunde. Chatten und Nachrichten schreiben sind für beide Geschlechter gleich wichtig. Jeweils 81 Prozent nutzen entsprechende Messengerdienste, wie den WhatsApp-Messenger oder Facebook-Messenger. Männer (67 Prozent) kaufen auch überraschender Weise eher online ein als dies Frauen (62 Prozent) tun, hören auch öfter Musik und wickeln zudem mehr Bankgeschäfte online ab. Bei Frauen liegen Reisebuchungen oder Mobilitätsdienste höher im Kurs als bei Männern: Während diese von fünfzig beziehungsweise neununddreißig Prozent der Frauen genutzt werden, beträgt der Anteil unter Männern achtundvierzig Prozent.

Insgesamt wird in der virtuellen Welt zwar viel Nützliches geboten aber die Deutschen sollten nicht vergessen, dass es um eine gesunde Mischung der Zeiten zwischen dem wahrem Leben und der virtueller Welt gehen sollte. Die Angst, länger ohne Smartphone zu sein, wie sie bei Jugendlichen bereits durch Studien bewiesen wurde, hat sogar einen Namen: Nomophobia !(Sprich: No-Mobile-Phone-Phobia ). Besonders Kinder, Jugendliche und Heranwachsende sollten mit gesundem Menschenverstand behutsam an diese Geräte mit hohem Suchtpotential herangeführt werden! Dass die wirkliche Welt viel mehr zu bieten hat als die Virtuelle, dies ist bei einer Vielzahl von Menschen offensichtlich bereits in Vergessenheit geraten. Wie gefährlich so eine Sucht sein kann, darüber sollten Sie sich jedoch spätestens nach dem Lesen dieses Beitrages einmal ernsthaft Gedanken machen!

Sicherlich sind internetfähige Endgeräte in der heutigen Zeit unabkömmlich und wichtig. Aber ihre Handhabung sollte nicht für nahezu alle jüngeren Generationen in eine gefährliche Sucht ausarten und den Blick auf unsere wunderbare echte Welt mit ihren tollen Landschaften, Reizen, Freizeitmöglichkeiten, Aktivitäten, wahren Freundschaften und bunten Gesellschaftsformen völlig ins Abseits drängen! Es gibt Grund zur Sorge – aber noch können wir mit gesundem Menschenverstand gegen diese erschreckende Entwicklung etwas tun. Besonders unseren Kindern gegenüber haben wir die Pflicht, diesen zu zeigen und vorzuleben, wie viel Zeit man tatsächlich täglich nur in die virtuelle Welt eintauchen und diese effektiv, richtig und nicht für jeden Quatsch nutzen sollte.

Bericht: Markus Sparfeldt



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