Staatliches Tierwohl-Label muss kommen

Die Menschen in Deutschland essen gern Fleisch – durchschnittlich rund 60 Kilo pro Jahr. Vielen ist es mittlerweile auch wichtig, dass Kuh, Schwein und Huhn vorher gut gelebt haben. Doch bislang können Verbraucherinnen und Verbraucher im Supermarkt nur schwer erkennen, ob das Fleisch aus artgerechter Haltung stammt.

 Anlässlich des Welttierschutztags am Mittwoch, im Oktober, fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) ein verständliches, staatliches Tierwohl-Label und höhere Standards in der Nutztierhaltung.
„Wer Wert auf Tierschutz legt, hat zwar mit Bio-Fleisch eine verlässliche Kennzeichnung. Doch nicht jeder kann sich Bio-Fleisch leisten. Ein verständliches Tierwohl-Angebot zwischen bio und konventionell ist dringend nötig. Die neue Bundesregierung muss die Entwicklung eines staatlichen Tierwohl-Labels fortführen und dabei die Erwartungen der Verbraucher berücksichtigen“, sagt Klaus Müller, Vorstand des vzbv.


vzbv fordert mehr Transparenz

Fast zwei Drittel der Verbraucher (64 Prozent) gaben in einer Umfrage im Auftrag des vzbv im Jahr 2015 an, dass sie bereit sind, mehr zu zahlen, wenn sie sicher wären, dass die Tierhaltung besser ist. Allerdings wussten 45 Prozent der Befragten nicht, woran sie Fleisch aus artgerechter Haltung erkennen können. Mehr Transparenz fordert der vzbv und schlägt ein Tierwohl-Label mit zwei Stufen vor: einer Einstiegsstufe, die deutlich über den gesetzlichen Mindeststandards liegt, und einer Premiumstufe, die höheren Anforderungen genügt.
Die letzte Bundesregierung hat bereits die Entwicklung eines staatlichen Tierwohl-Labels angestoßen. Der vzbv appelliert an die neue Bundesregierung auf dieser Grundlage weiterzuarbeiten, die bislang diskutierten Kriterien des Labels aber zu verbessern.
Zudem ist aus Sicht des vzbv eine verbindliche nationale Strategie, wie der Tierschutz verbessert und gefördert werden kann, nötig, um die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen. Die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Juli 2017 vorgelegte Nutztierstrategie enthalte wichtige Ansätze. Es fehlten aber ein klarer Ziel- und Zeitkorridor sowie Aussagen zu Geldquellen für den Umbau.


Weitere Maßnahmen für mehr Tierschutz

Der  vzbv  fordert weitere Maßnahmen zur Verbesserung des Tierschutzes in der Landwirtschaft:  
Europäische Haltungskennzeichnung: Bei Eiern können Verbraucher anhand der Nummerncodes erkennen, aus welcher Haltung diese stammen. Auch für Fleisch braucht es eine einfache Kennzeichnung – am besten EU-weit. Die Bundesregierung sollte mit einer nationalen Haltungskennzeichnung vorangehen und sich in der EU für eine gemeinsame Lösung stark machen.
Gesetzliche Mindeststandards: Bislang gelten für einige Tierarten nur die allgemeinen Anforderungen aus dem Tierschutzgesetz, etwa für Milchkühe und Puten. Auch für diese Tiere muss die Haltung im Detail geregelt werden. Bereits bestehende Regelungen müssen konsequent durchgesetzt und kontrolliert werden.


Vor welchem Problem stehen Verbraucher?

Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist kaum zu erkennen, ob die Tiere, die sie essen, gut gelebt haben. Es gibt für Fleisch bislang keine einheitliche Kennzeichnung zur Haltungsform wie bei Eiern oder ein einheitliches Siegel wie bei Bio-Produkten. 64 Prozent der Verbraucher aber wären laut einer repräsentativen Umfrage des vzbv bereit, mehr für Fleisch aus artgerechter Tierhaltung zu bezahlen. Dann wollen sie aber auch verlässlich wissen, dass das Geld bei den Tieren ankommt und sie besser gehalten werden.


So kann’s gehen:
Ein staatliches Tierwohllabel kann diese Marktlücke schließen. Verbraucher könnten damit auf einen Blick erkennen, ob das Fleisch auf ihrem Teller aus einer Haltung mit höheren Tierschutzstandards stammt. Die Qualitätsstandards sollten sich an den Anforderungen des Labels des Deutschen Tierschutzbundes orientieren. Dieses sieht ein zweistufiges Label mit einer Einstiegs- und einer Premiumstufe vor. Im Rahmen einer nationalen Kommunikationskampagne muss das Label bei Verbrauchern bekannt gemacht werden. Darüber hinaus sollte eine EU-weite, verbindliche Haltungskennzeichnung eingeführt werden, damit Verbraucher jedes tierische Produkt einer bestimmten Haltungsform zuordnen können. Die Bundesregierung muss sich auf europäischer Ebene dafür starkmachen. Im Rahmen einer nationalen Nutztierstrategie muss sie außerdem dafür sorgen, dass der gesetzliche Mindeststandard für die Haltung aller Nutztiere angehoben wird.



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