Das UNESCO-Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist das einzige vollständig erhaltene Eisenwerk aus der Blütezeit der Industrialisierung und zugleich das erste Denkmal dieser Epoche, das in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen wurde.
Fünf Themen-Säulen tragen programmatisch die nachhaltige Entwicklung des Weltkulturerbes und alle Aktivitäten dieses auratischen Möglichkeitsraumes: Industrie, Kultur, Geschichte, Kunst und Natur.
In der Völklinger Hütte spiegelt sich die Geschichte der Hochindustrialisierung und die Epoche des Anthropozäns, des menschengemachten Zeitalters, auf exemplarische Weise. Die historischen Anlagen der Roheisenproduktion sind komplett erhalten. Mehrere Kilometer Besucherwege führen zu Meilensteinen der Technikgeschichte wie dem einmaligen Erzschrägaufzug, den gewaltigen Gebläsemaschinen und der Sinteranlage. Zugleich begegnet man auf diesem Weg zahlreichen Künstlerinterventionen und Urban Art-Werken.
Die riesigen Hallen, Freiflächen und das fesselnde Gewirr der Rohrsysteme bieten heute einen einzigartigen Schauplatz für internationale Ausstellungen, Festivals und Konzerte. Zur Kultur gesellt sich darüber hinaus die Natur: Das Paradies, hervorgegangen aus der einstigen „Hölle“ der Kokerei, fasziniert durch die Rückeroberung von Teilen des Geländes durch vielfältige Flora und Fauna.
Die Geschichte der Industrialisierung mit ihren Errungenschaften und ihren Schattenseiten, Technik, Kultur, Kunst und Natur verbinden sich so zu einem einzigartigen Erlebnis und prägen das Weltkulturerbe Völklinger Hütte als einen Ort der Geschichte, Gegenwart und Zukunft, der sich immer wieder neu erfindet.

URBAN ART BIENNALE 2026

10. Mai bis 15. November 2026
Möllerhalle, Sinteranlage und Außengelände Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Die URBAN ART BIENNALE ist weltweit eine der größten Werkschauen dieser anarchischen Kunstform jenseits herkömmlicher White Cube-Ästhetik. Seit 2011 wird alle zwei Jahre das gesamte Areal der Völklinger Hütte zum kongenialen Dialogpartner für die Kunst, die sich aus Street Art und Graffiti entwickelt hat.

Nachdem die beiden letzten Biennalen weit in den Völklinger Stadtraum ausgegriffen haben, liegt der Fokus 2026 räumlich und inhaltlich wieder stärker auf der Völklinger Hütte. Mehr Arbeiten als je zuvor entstehen in situ speziell für ihren Ort in der Hütte. Zahlreiche Künstler:innen treten mit ihren Werken direkt in Dialog mit der Architektur und der Geschichte des ehemaligen Eisenwerks.

„Street Art und Graffiti haben sich in Reibung mit der Stadt und in Konkurrenz zu den dort schon bestehenden Botschaften entwickelt. Auch die heutige Urban Art braucht den Gegenspieler und Mitspieler — einen Ort, von dessen räumlicher Struktur man sich inspirieren oder abgrenzen kann und auf dessen Geschichte die eigene Kunst reagiert. Die Völklinger Hütte bietet hierzu unzählige Möglichkeiten“, sagt der Kurator der URBAN ART BIENNALE, Frank Krämer.

Der raue Charme der Möllerhalle oder der Sinteranlage treffen auf filigrane Stoffe und raumgreifende Installationen. NeSpoon spannt zwischen Sinteranlage und Möllerhalle ein fragiles Spinnennetz aus Häkeldeckchen, der Graffiti-Pionier Boris Tellegen, unter dem Künstlernamen DELTA für seine dreidimensional wirkenden Buchstaben bekannt, überführt seine Räumlichkeit in eine gigantische zweifarbige Holzskulptur.

In Baptiste Debombourgs im wahrsten Sinne des Wortes facettenreicher Installation über die Arbeit und die Arbeiter der Völklinger Hütte spielt mit zerbrochenem Spiegelglas besetzte Kleidung eine zentrale Rolle. Der französische Künstler Milo sammelt Fingerabdrücke in der Stadt Völklingen und bringt sie per Kohlenstaub auf Papier in die Möllerhalle des Weltkulturerbes. Igor Ponosov übersetzt charakteristische Bewegungen der Hüttenarbeiter in eine Performance, die den historischen Rhythmus des Werks zu neuem Leben erweckt. Und in den Jacken, Hemden, Hosen, Röcken, Tüchern und Mützen, die Coco Bergholm in Anlehnung an Oberflächen des ehemaligen Eisenwerks und heutigen Weltkulturerbes von Rostrot bis Paradiesgrün gestaltet, können die Besucher:innen in einer „Postindustrial Camouflage“ mit den Orten der Hütte regelrecht verschmelzen – HUETTECOUTURE eben!

Die Faszination von Zugwaggons — die im Zentrum der Graffiti-Kultur standen und Haupttransportmittel in der Völklinger Hütte waren — manifestiert sich in der diesjährigen URBAN ART BIENNALE in Kunstinstallationen und einer Foto-Präsentation, die die Kultur der urbanen Graffiti-Crews spiegelt und Street Art an entlegenen und unzugänglichen Orten für die Besucher:innen erlebbar macht.
REFRESHINK bezieht sich auf eine Technik der traditionellen Kunst, wenn er gesprühte Werke erschafft, die an Mosaike erinnern. Tomas Lacque wiederum lässt seine urbane Installation unter einer Farbschicht erstarren – als habe ein Ascheregen das Werk bedeckt. Ein Eindruck, der Assoziationen an Pompeji nach dem Vulkanausbruch zulässt.

Das Dach der Möllerhalle hat sich der Künstler Ampparito für seine Botschaft ausgesucht, die man in großen Lettern am besten von der Aussichtsplattform des Weltkulturerbes in 45 Metern Höhe betrachten kann. Sie spielt mit der Botschaft, die Autobesitzer in Spanien zuweilen in ihre Fahrzeuge legen: NO HAY NADA DE VALOR, frei übersetzt „Hier drin gibt es nichts von Wert“. Von wegen!

UNLOCK BOOK FAIR

Parallel zur Eröffnung findet vom 8. bis 10. Mai die Buchmesse UNLOCK BOOK FAIR statt, in Kooperation mit dem Interreg-Programm GRACE – Greater Region Artistic and Cultural Education. Sie bietet die Gelegenheit, spezialisierte Literatur zu Murals, Straßenfotografie und Street Art ebenso wie Publikationen zu zeitgenössischer Kunst rund um Graffiti und Subkultur zu entdecken. Nach Stationen in Barcelona, Amsterdam, Berlin, Modena oder der Kulturhauptstadt Chemnitz im letzten Jahr findet die internationale Buchmesse zum zehnjährigen Jubiläum in der Völklinger Hütte statt.

Mehr als 80 Verleger aus 22 Ländern auf 4 Kontinenten werden mitten im Weltkulturerbe Völklinger Hütte ihre Publikationen anbieten, die zumeist über normale Buchhandlungen nicht zu erwerben sind. Die Buchmesse wird von zahlreichen Diskussionen, Filmvorführungen und Workshops begleitet. Die Pariser Künstler Tomek und Mosa (PAL Crew) werden kalligraphische Interventionen kreieren, außerdem ist u.a. der Direktor des Museum of Graffiti in Miami zu Gast.

Im Gleichklang oder im Gleichschritt?

20. Juni 2026 Partizipatives Tanz-Projekt im Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Tanzbegeisterte aufgepasst: Nach dem großen Erfolg von R·ONDE·S im Jahr 2025 kooperieren das Le Carreau, Scène nationale de Forbach, und die Völklinger Hütte im Rahmen des europäischen Interreg-Projekts GRACE wieder, um ein ganz besonderes Tanzerlebnis möglich zu machen. Am Samstag, den 20. Juni 2026, kommt auf dem Erzplatz mit OPENING NIGHT ein Gesamtkunstwerk aus Tanz, Live-DJ und Filmprojektionen zur Aufführung. Künstlerische Leitung hat die Choreographin Olivia Grandville und erneut haben bewegungsfreudige Menschen ab 15 Jahren Gelegenheit, Teil eines professionellen Tanztheaters zu werden.

Das Performance-Event vereint ein Tanz-Solo von Martin Gil, das vom Rausch argentinischer Rockmusik inspiriert ist, poetische Videoprojektionen sowie ein Live DJ-Set von Benoît de Villeneuve und Benjamin Morando. Höhepunkt des Abends wird ein Auszug aus EN MÊME TEMPS sein, der neuen Produktion von Olivia Grandville für das Festival de Marseille.

Darin nimmt die Choreographin die Tanzfigur des Unisono – das gleichzeitige Ausführen identischer Bewegungen durch mehrere Tänzer:innen – in den Blick. Für Grandville ist diese Form komplex, verführerisch und gefährlich ambivalent. Tanzt man im Gleichklang oder im Gleichschritt?

Der größte Teil von EN MÊME TEMPS wird von professionellen Tänzer:innen aufgeführt. Eine Choreographie von etwa 15 bis 20 Minuten studiert Olivia Grandville jedoch in mehreren Workshops im Weltkulturerbe mit Menschen ein, die keine professionelle Tanzerfahrung, aber Spaß an Bewegung haben. Unter Anleitung der renommierten Choreographin haben Tanzbegeisterte so Gelegenheit, die Tanzfigur des Unisono körperlich zu erfahren, darüber nachzudenken und die erlernte Choreographie vor Publikum aufzuführen.

Olivia Grandville wurde an der Opéra de Paris ausgebildet, bevor sie sich dem zeitgenössischen Tanz zuwandte. Sie tanzte in der Company von Dominique Bagouet und entwickelte zahlreiche Projekte als Choreographin. Ab 2011 arbeitete sie in Nantes, seit 2022 ist sie Leiterin des Centre Choréographique National in La Rochelle.

Die Workshops zu EN MÊME TEMPS im Weltkulturerbe starten am Samstag, den 16. Mai. Es gibt noch wenige freie Plätze, Anmeldung über die Internetseite www.voelklinger-huette.org.

Das Performance-Event OPENING NIGHT ist Teil des Interreg-Projekts GRACE (Greater Region Artistic and Cultural Education), in dem sich 25 Kulturinstitutionen und -akteure der Großregion SaarLorBenelux für neue Formen kultureller Bildung unter Einbeziehung von Künstler:innen einsetzen.
Tickets von 10 Euro (Kinder) bis 26 Euro (Normalpreis) gibt es unter carreau-forbach.com und an der Abendkasse.