Wie äußert sich Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen?

DAK.Wie äußert sich eine Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen? Und was können Sie als Eltern tun, wenn Ihr Kind schon morgens sein Smartphone in der Hand hat, nachmittags ein TikTok-Video nach dem anderen schaut oder bis tief in die Nacht Computerspiele zockt? Fest steht: Sie sind nicht allein; Gaming, Streaming und Social Media gehören für die meisten Kinder und Jugendlichen zum Alltag. Schon Zweijährige kommen erstaunlich gut mit einem Tablet zurecht und mit steigendem Alter wird das Internet immer wichtiger, um am sozialen Leben teilzunehmen. Doch wie viel Medienzeit ist für Kinder gesund?

Die digitale Welt bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Unterhaltung und Information, doch die exzessive Nutzung von Medien kann insbesondere bei Kindern und Jugendlichen zu ernsthaften Problemen führen. Als Eltern ist es wichtig, die Anzeichen einer möglichen Mediensucht des Kindes frühzeitig zu erkennen, um rechtzeitig eingreifen zu können. Ein problematisches Nutzungsverhalten bei Kindern und Jugendlichen äußert sich darin, dass es in einem Zeitraum von circa 12 Monaten einhergeht mit einem oder mehreren der folgenden Anzeichen:

Veränderungen im Verhalten

Kinder und Jugendliche, die an Mediensucht leiden, zeigen oft deutliche Verhaltensänderungen. Sie können gereizt oder sogar aggressiv reagieren, wenn sie von digitalen Geräten ferngehalten werden. Ebenso kann eine deutliche Abnahme des Interesses an anderen Aktivitäten, wie Sport, Hobbys oder sozialen Interaktionen, beobachtet werden. Wenn Ihr Kind sich zunehmend zurückzieht und seine Freizeit fast ausschließlich vor dem Bildschirm verbringt, könnte das ein Warnsignal sein.

Vernachlässigung von Pflichten

Ein weiteres Symptom ist die Vernachlässigung schulischer und häuslicher Pflichten. Betroffene Kinder und Jugendliche haben oft Schwierigkeiten, sich auf ihre Hausaufgaben zu konzentrieren, und ihre schulischen Leistungen können darunter leiden. Auch im Haushalt übernehmen sie weniger Verantwortung oder erledigen Aufgaben nur noch halbherzig.

Physische & psychische Gesundheit

Eine übermäßige Nutzung von Medien kann auch physische und psychische Gesundheitsprobleme zur Folge haben. Achten Sie auf Anzeichen wie Schlafstörungen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder trockene Augen. Psychische Symptome können unter anderem in Form von Depressionen, Angstzuständen oder einem allgemein verminderten Wohlbefinden auftreten.

Kontrollverlust

Ein weiteres klares Anzeichen für eine Mediensucht ist der Kontrollverlust über die eigene Mediennutzung. Wenn Ihr Kind immer wieder versucht, die Nutzungsdauer zu reduzieren, dies aber nicht schafft, könnte dies auf eine Abhängigkeit hinweisen. Häufige Ausreden, um weiter online bleiben zu können, und das ständige Denken an das nächste Spiel oder die nächste Online-Interaktion sind ebenfalls typische Merkmale.

Soziale Isolation

Kinder und Jugendliche, die mediensüchtig sind, neigen oft dazu, sich sozial zu isolieren. Sie verbringen weniger Zeit mit Freunden und Familie und ziehen sich in ihre virtuelle Welt zurück. Diese Isolation kann dazu führen, dass sie wichtige soziale Fähigkeiten nicht ausreichend entwickeln und sich einsam fühlen.

Therapie

Wie helfe ich meinem Kind aus der Mediensucht? Wichtig ist, dass Eltern diese Schwierigkeiten gemeinsam mit den Kindern angehen. Die erste Anlaufstelle ist oft der Haus- bzw. der Kinderarzt oder die Kinderärztin. Bei den Vorsorgeuntersuchungen J1 und J2 wird von Ärzten in einigen Bundesländern für Versicherte der DAK-Gesundheit auch ein Mediensuchtscreening angeboten. Stellt sich heraus, dass das Kind von einer problematischen Nutzung digitaler Medien betroffen ist, können je nach Schweregrad die Beratung durch eine (Sucht)-Beratungsstelle, eine ambulante oder (teil)-stationäre Therapie hilfreich sein.

Beratungsstellen bei Mediensucht

Der Medienkonsum Ihres Kindes ist außer Kontrolle geraten und Sie wissen nicht weiter?
Hier finden Sie schnelle Hilfe:
computersuchthilfe.info
E-Mail-Beratung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Elternratgeber „SCHAU HIN!”
Mediensucht-Hotline: jeden Dienstag von 15.30 Uhr bis 19.30 Uhr unter: 0800 2 800 200
Um eine erste Einschätzung zu dem Nutzungsverhalten zu bekommen, haben Expertinnen und Experten des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) entsprechende Fragebögen entwickelt. Diese Fragebögen basieren auf den aktuellen Kriterien für „Gamingsucht“ bzw. „Social Media Sucht“ und dienen der Erfassung eines ersten Anhaltspunktes für eine problematische oder krankhafte Nutzung. Die Fragebögen ersetzen jedoch keine fachliche Diagnose.

Wenn Sie sich fragen, ob der Umgang Ihres Kindes mit Computerspielen und sozialen Medien problematisch oder pathologisch ist, können Sie ebenfalls einen der von den Expertinnen und Experten des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) entwickelten Fragebögen für Ihr Kind ausfüllen.

Prävention von Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen

Medienkompetenz beginnt beim Vorleben: Sicheres Verhalten lernen Kinder am besten, wenn Sie es vorleben und zeigen. Eltern fungieren auch hier als Vorbild, daher achten auch Sie auf Ihre eigene Bildschirm- und Internetzeit. Eltern sollten auch wissen, wofür sich ihr Nachwuchs interessiert. Auch wenn Sie neue Hypes nicht verfolgen, sollten Sie verstehen, was in den sozialen Medien passiert und wo Gefahren lauern.
Unerlässlich sind auch feste Regeln – und zwar von klein auf. Vereinbaren Sie, wann und wie viel der Nachwuchs fernsehen und surfen darf. Begleiten Sie Ihr Kita- und Grundschulkind und lassen es nicht allein wahllos durch Apps und Sendungen zappen. Auch ein älteres Kind braucht ab und an Ihre Unterstützung. Bleiben Sie neugierig und lassen Sie sich gelegentlich zeigen, womit sich Ihr Kind beschäftigt.

Tipps für eine gesunde Mediennutzung

Gemeinsame Mediennutzung: Nutzen Sie Medien gemeinsam mit Ihrem Kind und sprechen Sie über Inhalte. So können Sie die Medienerfahrung aktiv begleiten und regulieren.

Klare Regeln und Grenzen

Setzen Sie feste Zeiten für die Mediennutzung und halten Sie diese konsequent ein. Regeln wie kein Bildschirm vor dem Schlafengehen oder während der Mahlzeiten helfen, gesunde Gewohnheiten zu etablieren.
Vorbildfunktion: Seien Sie ein gutes Vorbild. Zeigen Sie Ihrem Kind, wie eine ausgewogene Mediennutzung aussieht, indem Sie selbst bewusst mit digitalen Geräten umgehen.

Alternative Aktivitäten fördern

Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, Hobbys und Interessen außerhalb der digitalen Welt zu entwickeln, wie Sport, Musik oder kreative Tätigkeiten.

Medienfreie Zonen einrichten

Schaffen Sie medienfreie Bereiche in Ihrem Zuhause, wie das Schlafzimmer oder das Esszimmer, um die Nutzung von digitalen Geräten zu begrenzen.

Kommunikation stärken

Führen Sie regelmäßige Gespräche über die Mediennutzung und deren Auswirkungen. Eine offene Kommunikation hilft Ihrem Kind, ein gesundes Verhältnis zu digitalen Medien zu entwickeln.

Bildung über Medienkompetenz

Vermitteln Sie Ihrem Kind Wissen über den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien und die Risiken, die mit einer übermäßigen Nutzung verbunden sind.

Gemeinsame Aktivitäten planen

Planen Sie regelmäßig gemeinsame Familienaktivitäten, die keinen Bezug zu digitalen Medien haben, um die Bindung und soziale Interaktion zu fördern.

Professionelle Unterstützung

Scheuen Sie sich nicht, bei Bedarf professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Experten können wertvolle Unterstützung bieten, wenn Sie das Gefühl haben, dass die Mediennutzung außer Kontrolle gerät.

Bildschirmzeit für Kinder und Jugendliche

Eine Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) liefert eindeutige Empfehlungen für die täglichen Nutzungszeiten nach Altersgruppen:
Kinder 6 bis 9 Jahre:
höchstens 30 bis 45 Minuten
Kinder 9 bis 12 Jahre
maximal 45 bis 60 Minuten
Kinder 12 bis 16 Jahre
maximal ein bis zwei Stunden
Kinder unter drei Jahren sollten überhaupt keine Bildschirmmedien nutzen. Zwischen drei und sechs Jahren sollten sie allenfalls an einzelnen Tagen für maximal 30 Minuten mit solchen Medien in Kontakt kommen. Dabei sollten die Eltern dabei sein.

Studie: Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen

Seit 2019 führt das Deutsche Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) im Auftrag der DAK-Gesundheit eine Studie zum Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland durch. Die Studie liefert Zahlen zu Nutzungshäufigkeiten, -verhalten und -mustern bei der Nutzung verschiedener Medien wie Social Media und Games.

Gaming: Jungen zeigen häufiger problematisches Nutzungsverhalten

Die Erhebung aus dem Herbst 2024 zeigt: Bei der Nutzung digitaler Spiele gibt es wie bereits im Vorjahr einen Rückgang. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die die Kriterien einer Computerspielstörung erfüllen, lag 2024 bei 3,4 Prozent, verglichen mit 4,3 Prozent (2023). Die pathologische Nutzung nähert sich demnach dem prä-pandemischen Niveau von 2,7 Prozent. Hochgerechnet zeigen aber immerhin noch 700.000 Kinder und Jugendliche ein problematisches Nutzungsverhalten. Darunter sind doppelt so viele Jungen wie Mädchen.
Aus der Studie geht außerdem hervor, dass 10- bis 17-jährige Kinder und Jugendliche in Deutschland werktags durchschnittlich 105 Minuten und am Wochenende 171 Minuten täglich gamen. Damit liegen sie noch über dem prä-pandemischen Niveau.

Social Media: Problematische Nutzung weiterhin weit verbreitet

Erstmals seit Beginn der Pandemie ist die problematische Nutzung sozialer Medien rückläufig. Aber: Rund ein Viertel der 10- bis 17-Jährigen nutzt soziale Medien problematisch – das entspricht mehr als 1,3 Millionen Kindern. Darunter gelten 4,7 Prozent als abhängig. Die täglichen Nutzungszeiten liegen im Schnitt bei 157 Minuten unter der Woche und 227 Minuten am Wochenende.

Social-Media-Sucht bei Jugendlichen

Chatten, Bilder oder Storys teilen, Streams und Videos angucken: Soziale Netzwerke und Messengerdienste gehören bei einem Großteil der Menschen fest zum Alltag. Besonders intensiv nutzen Jugendliche und junge Erwachsene Social Media. Das kann jedoch problematische Züge annehmen und auch die Gesundheit beeinträchtigen, zeigt die aktuelle DAK-Mediensuchtstudie, die vom Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) durchgeführt wurde. Doch ab wann ist die Zeit, die ein Kind in den sozialen Netzwerken verbringt, überhaupt problematisch? Und wann beginnt eine Sucht? Wie Sie die Anzeichen einer Social-Media-Sucht bei Ihrem Kind erkennen und was Sie tun können, erfahren Sie hier.

Social Media: nützlich oder gefährlich?

Die Nutzung von Social Media birgt sowohl Chancen als auch Risiken für die seelische Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen. In dieser Altersgruppe sind aktuell vor allem WhatsApp, Instagram, TikTok und Snapchat beliebt. Darüber bleiben Jugendliche Tag für Tag in Kontakt, lernen andere kennen und fühlen sich zugehörig. Das dürfte insbesondere bei Jugendlichen ins Gewicht fallen, die aus verschiedensten Gründen lokal keine Community haben. Über Social Media bleiben Jugendliche auch auf dem Laufenden über Trends oder drängende Fragen unserer Zeit wie den Klimawandel. So wären zum Beispiel ohne die Vernetzung über die sozialen Netzwerke die „Fridays for Future“ in ihrer Form vermutlich nie entstanden.
Aber: In den sozialen Netzwerken lauern auch Gefahren. So knabbern unrealistische Schönheitsideale auf Instagram und Co. am Selbstwertgefühl und der Selbstwahrnehmung Jugendlicher, was sich sowohl auf ihre mentale als auch die körperliche Gesundheit auswirken kann – und zum Beispiel das Risiko für Essstörungen erhöht. Auch Cybermobbing ist auf dem Vormarsch. Und: Social Media kann sogar süchtig machen.

Zur Einordnung der Mediennutzung: Eine Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) gibt an, dass Kinder zwischen neun und zwölf Jahren maximal 45 bis 60 Minuten pro Tag vor dem Bildschirm verbringen sollten – dazu gehört auch das Smartphone. Für 12- bis 16-Jährige liegt die Empfehlung bei ein bis zwei Stunden täglich.

Einfluss von Social Media auf Jugendliche

Die Social-Media-Nutzung von Jugendlichen hierzulande ist weiterhin herausfordernd: 10- bis 17-jährige Kinder und Jugendliche in Deutschland verbrachen im Herbst 2024 werktags durchschnittlich 157 Minuten und am Wochenende 227 Minuten mit Social Media. Das ergab die Mediensuchtstudie der DAK-Gesundheit (2024). Damit sind die Nutzungszeiten ähnlich zum Jahr 2023 (Vorwelle), erreichen jedoch noch nicht wieder das präpandemische Niveau.

Insgesamt weist jedoch weiterhin mehr als jedes vierte Kind im Alter zwischen 10 und 17 Jahren in Deutschland problematische Nutzungsmuster auf, was mehr als 1,3 Millionen Betroffenen entspricht. Signifikante geschlechts- oder altersspezifischen Unterschiede konnten dabei nicht festgestellt werden, wobei Jungen, tendenziell häufiger betroffen sind als Mädchen. Eine solche problematische Nutzung sozialer Medien hat ernsthafte Auswirkungen auf die psychische Gesundheit: Viele der befragten Jugendlichen berichten von häufiger Niedergeschlagenheit, Angstgefühlen und Stress. Außerdem fällt es ihnen oft schwer, mit negativen Emotionen umzugehen, was zu zusätzlichen Problemen führen kann. Gleichzeitig neigen Jugendliche, die psychisch belastet sind, dazu, in soziale Netzwerke zu fliehen – ein Teufelskreis.

Auch das Familienleben leidet darunter: Eltern von betroffenen Kindern sind oft unzufriedener mit der Kommunikation innerhalb der Familie und der Art und Weise, wie Konflikte gelöst werden. Bei den Jugendlichen mit problematischen Nutzungsmustern zeigte sich auch ein niedrigeres Achtsamkeitslevel. Achtsamkeit aber erhöht die Selbstkontrolle, reduziert das Stresslevel und verbessert die Emotionsregulation – und ist damit auch ein wichtiger Faktor, um die Entwicklung einer Sucht zu verhindern.

Kostenlose Mediensucht-Hotline

Viele Eltern stellen sich die Frage, ob das Mediennutzungsverhalten ihres Kindes bereits problematisch ist oder ob Anzeichen einer Sucht vorliegen. Expertinnen und Experten des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) stehen Ihnen hierzu in einer kostenlosen Telefon-Hotline der DAK-Gesundheit beratend zur Verfügung.

Wie viel Bildschirmzeit ist eigentlich normal und was tun, wenn es zu viel wird? Antworten auf diese und andere Fragen rund ums Thema Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen geben Expertinnen und Experten des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) in einer kostenlosen Telefon-Hotline der DAK-Gesundheit.

So erreichen Sie uns Melden Sie sich bitte per Mail an: baldus@uke.de um einen Telefon-Termin zu vereinbaren! Die Mediensucht-Hotline ist offen für Mitglieder aller Krankenkassen.
Anrufen können sowohl Eltern als auch Kinder und Jugendliche.

Darum geht es

Rund jedes vierte Elternteil macht sich Sorgen um die Mediennutzung seines Kindes. Der Unterstützungsbedarf ist entsprechend groß. Das zeigt die jüngste Studie zur Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen der DAK-Gesundheit.

Das bieten wir

Wie lässt sich eine problematische Mediennutzung frühzeitig erkennen? Und was können Eltern als auch Kinder tun, wenn sie bereits abhängig von Social Media, Gaming oder Streaming-Diensten sind? Diese und viele weitere Fragen beantworten unsere Suchtexpertinnen und -experten am Telefon. Sie erhalten individuelle Tipps und Hilfestellung. Quelle: DAK Gesundheit